Testberichte
DEFT 9.0 800 im Test "Traumfänger - E-Enduros bis 6500 Euro" - BIKE 09/25
31.07.2025
Mit dem Deft stellt Radon dem ursprünglichen Topseller Render seit einigen Jahren einen großen Bruder zur Seite. Gerade erst bekam das Bike eine wichtige Frischzellenkur. Im Unterrohr steckt nun der neue Bosch CX 5 samt Power-Update und dickem 800er Akku. Geblieben ist das Radon-typische Preis-Leistungs-Verhältnis. So spendieren die Bonner ihrem Rad als einzige innerhalb der Testgruppe die elektronische Schaltung Sram GX Transmission. Außerdem bekommt das Deft ein hochwertiges Cockpit von Raceface, wertige Laufräder von DT Swiss, eine Magura MT7 und das Performance-Elite-Fahrwerk von Fox. Kurzum: Radon greift fast überall weit oben ins Regal. Oder wie Radon selbst sagt: Braucht man mehr? Aktuell hat der Versender den Preis für das Deft 9.0 sogar um über 600 Euro reduziert. Damit wäre das Bike mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Hinterbau das günstigste in diesem Vergleich.
Geometrie-Update
Im Zuge der Rahmen-Anpassung wurde die Geometrie des Deft spürbar überarbeitet. Vor allem Reach und Stack sind angewachsen. Schade, dass der Sitzwinkel bei einem konservativen Maß von unter 76 Grad geblieben ist. In Kombination mit dem deutlichen Knick im Sitzrohr sitzt man bei längerem Sattelauszug gestreckt und zu hecklastig auf dem Bike. Lange Ketten-streben halten das Vorderrad in steilem Gelände dennoch im Zaum. Für eine aktive Fahrposition bergauf muss man aber weit nach vorne rutschen. Mit Unterstützung des tollen Bosch-Motors und des guten Fahrwerks gelingen dann aber auch schwierige Schlüsselstellen.
Gelungenes Fahrwerk
Bergab profitiert das Radon von den Updates bei der Geometrie. Grundsätzlich fährt sich das Deft sicher und unkompliziert. Auch schnellere Geraden mit rauem Untergrund bringen das Rad nicht aus dem Konzept. Der Fahrer steht jedoch nicht immer optimal integriert. Die Teleskopstütze ist relativ kurz und das Sitzrohr eher lang. Bergab ist der Sattel dadurch schneller im Weg als bei anderen Kandidaten. Fahrsicherheit und Spieltrieb leiden. Highlight für Enduro-Fans ist die hochwertige 38er Grip X von Fox. Die Gabel steht nicht ganz so hoch im Federweg wie eine Grip X2, trifft dafür aber einen gelungenen Mix aus sportlichem Gegenhalt und hohem Fahrkomfort. Auch das Heck arbeitet gut. Erst bei sehr hohem Tempo und harten Schlägen kann der Hinterbau der starken Gabel nicht mehr folgen - das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau. Die griffigen Reifen überzeugen mit viel Traktion und gutem Pannenschutz am Heck, Maguras MT7 verzögern zuverlässig und mit gut modulierbarem, bewusst weichem Druckpunkt. Das Gewicht des Deft hält sich im Rahmen, auf engen und kurvigen Strecken wirkt das Rad tendenziell aber etwas sperrig. So überzeugt das Deft eher Alpen-Biker, die einen ausdauernden Partner für anspruchsvolle Touren suchen, als ambitionierte Bikepark-Fans.
FAZIT
„Dank aktuellem Rabatt ist das Radon sowohl das günstigste Rad im Test, als auch das mit der besten Ausstattung. Von Funkschaltung und Grip-X-Gabel können andere nur träumen. Die Fahreigenschaften sind grundsolide. Bei Details wie dem Sitzwinkel und der nicht optimal integrierten Fahrposition sollte Radon aber nochmal nachschärfen.“ Adrian Kaether, BIKE-Redakteur