Testberichte
REGARD 10.0 auf zweitem Platz bei „Biking heroes“ - 6 Gravelbikes unter 2000 Eur im Test – Tour 09/2025
20.08.2025
„Gemessen an der Konkurrenz kam das Regard zwar relativ spät auf den Markt, Radon stellte das Erstlingswerk erst 2022 in den Online-Shop; dafür wusste das vielseitige Gravelbike auf Anhieb zu überzeugen. Damals wie heute zeichnet sich das Regard AL 10.0 vor allem durch sein relativ geringes Gewicht aus – Alleinstellungsmerkmal in einem Testfeld, in dem das Gros der Räder mit zum Teil deutlich mehr als zehn Kilogramm am Haken der TOUR-Waage hängt.
Dem Versandhändler aus Bonn gelingt es als einzigem Hersteller, ein Rad aus Aluminium unter zehn Kilogramm auf die Reifen zu stellen. Die Basis dafür ist eines der leichtesten Chassis aus dem langlebigen Werkstoff: Der Rahmen wiegt rund 1.800 Gramm, die Gabel aus Carbon knapp 460 Gramm. Zum aktuell leichtesten Alu-Gravelbike im TOUR-Test, dem Specialized Crux DSW (siehe TOUR 1/2025), lässt das Radon zwar eine Lücke; das Geländerad der US-Amerikaner spart am Rahmen dank eines patentierten Fertigungsverfahrens weitere 400 Gramm. Doch dafür ist das Radon Regard deutlich steifer und – nebenbei bemerkt – auch um 700 Euro günstiger.
Gene eines Allrounders
„Das sportlichste Modell“ der Plattform, wie der Hersteller das Rad selbst charakterisiert, spielt seine Stärken auf der flachen Schotterautobahn aus. Im Vergleich zu den teils deutlich schwereren Konkurrenten beschleunigt das Rad ordentlich. Die ausgeprägte Laufruhe teilt sich das Regard mit vielen Rädern dieser Kategorie. Nicht ganz ins sportliche Konzept passt die Rahmengeometrie, die eine betont aufrechte Sitzposition vorgibt. Andererseits ist das Regard dadurch für Gravelbike-Neulinge interessant, die erstmals mit einem gebogenen Lenker in Berührung kommen und die kommode Sitzposition durchaus begrüßen dürften. Und: Auch Radreisende, Bikepacker oder Pendler sitzen erfahrungsgemäß lieber etwas aufrechter. Durch Aufnahmen für Taschen, Schutzbleche und Gepäckträger ist das Rad für viele dieser Einsatzzwecke gewappnet. Zwei Varianten wie das Regard AL 9.0 FE (siehe TOUR 12/2024) sind bereits ab Werk mit Vollausstattung erhältlich. Für Abenteurer und Fahrten abseits planierter Feldwege ist der Federkomfort des Rades allerdings etwas knapp bemessen, wobei man die montierten Conti-Reifen auch tubeless nutzen kann, um etwas mehr Federweg aus dem Set-up herauszuholen. Das Rahmen-Set ist für bis zu 45 Millimeter breite Gummis freigegeben, unter Schutzbleche passen die Serienreifen. Die geländetaugliche 1x12-Schaltgruppe von Shimano ist fast sortenrein montiert. Einzig bei den Bremsscheiben verwendet Radon eine einfachere Version, die nicht ganz an die Performance der Top-Bremsen herankommt. Das machen viele andere Hersteller aber auch. Das Getriebe mit extremer Untersetzung im leichtesten Gang ist vor allem für bergiges Gelände gedacht. Einen Zweifach-Antrieb mit feinerer Abstufung bieten die Bonner nur für die mit Lichtanlage, Schutzblechen, Gepäckträger und Seitenständer ausgestatteten Commuter an. Die etwas triste Optik und grobe Schweißnähte stören das ansonsten runde Bild des Rades. Gleichwohl erleichtern der klassische Ahead-Vorbau und die externe Leitungsführung Wartungs- und Montagearbeiten.
Das Basismodell mit der modularen Cues-Gruppe von Shimano gibt es für 1.299 Euro. Zusammen mit zwei neuen Titanversionen (ab 4.999 Euro) umfasst die Plattform sechs Modelle. Die Einführung des Kürzels AL in der Modellbezeichnung deutet außerdem daraufhin, dass Radon demnächst wohl auch Varianten mit Carbonrahmen präsentiert."